Vorname Kurt
Nachname Kröning
Geburtsname
Geburtsdatum 29.03.1893
Geburtsort Damerkow /Stolp (Dabrówka/Slupsk), heutiges Polen
Wohnort(e)
  • Stralsund, Horst-Wessel-Ring 27
  • Stralsund, Am Semlower Kanal 5
Beruf Kaufmann Getreide und Futtermittel, Versicherungsagent
Geschäftsadresse "Kartoffelflockenfabrik", Am Semlower Kanal 5, Stralsund
Familienstand verheiratet
Verwandschaftsverhältnis Ehemann von Gertrud Dahms (geb. 1891), Vater von 2 Töchtern (geb. 1928)
Deportation keine, Überlebender
Todesdatum 05.02.1951
Sterbeort Berlin-Charlottenburg

1935, bearbeitet UTKurt Kröning und Familie

Kurt Johannes Ernst Kröning wurde am 29. März 1893 in Damerkow (Dąbrówka) bei Slupsk geboren. Sein Vater Karl Kröning (1867-1936) betrieb dort eine Gastwirtschaft. Mit seiner jüdischen Ehefrau Hulda Bindemann (1869-1923) hatte er noch einen weiteren Sohn, Fritz Hermann Karl (1892-1951).

Kurt wurde evangelisch getauft, besuchte die Mittelschule und machte danach eine kaufmännische Ausbildung. Sein Arbeitsfeld war von Anfang an der Landwirtschaftliche Handel. Im Juli 1919 heiratete Kurt die Nicht-Jüdin Gertrud Dahms (1891-1974) aus Stralsund. Ihre Eltern waren evangelisch, kamen ebenfalls aus Polen und hatten in der Wasserstraße 75/76 ein Geschäft für Glas-, Porzellan- und Steingutwaren, in dem sie auch Öfen verkauften. Beide starben 1918 in Stralsund.

Im Jahr seiner Hochzeit machte sich Kurt Kröning selbstständig und taucht im Adressbuch Stralsunds von 1920 erstmals als Inhaber einer Fouragenhandlung und Malzfabrik in der Fährstraße 29/30 auf. Seine Geschäfte gingen so gut, dass er sich 1923 das Haus Mönchenhof 91 kaufen konnte und aus der Mietwohnung im Tribseer Damm 1 auszog. An der neuen Adresse wohnte die Familie von 1924 bis zu Kurts Tod im Jahr 1951. Hier kamen 1928 auch die beiden Zwillinge Brigitte und Edith zur Welt.

1925 übernahm Kurt Kröning in der Ziegelstraße 2 die seit 1923 bestehende „Stralsunder Sauerkrautfabrik“ und betrieb sie parallel mit dem Getreidehandel in der Fährstraße 29/30 in den Jahren 1927 und 1928. 1930 erscheint er dann nur noch mit der Sauerkrautfabrik in den Stralsunder Adressbüchern. In diesem Jahr gründete er mit zwei anderen Geschäftspartnern die „Kartoffelflockenfabrik“, die bis in die späten 1930er Jahre sein einziges Unternehmen blieb. Ein Jahr nach Gründung erwarb er das Grundstück Am Semlower Kanal 52 und richtete hier den Firmensitz der Kartoffelflockenfabrik ein. Ab 1941 vertrat er die Gothaer Feuerversicherung in Stralsund.

Seine beiden Töchter Edith und Brigitte wurden auf der Grundlage des “Gesetz(es) gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen vom 25. April 1933” ihrer Schule verwiesen und begannen gezwungenermaßen eine Ausbildung zur Bürokauffrau im väterlichen Unternehmen. Brigitte brach diese Ausbildung ab und erlernte in Stralsund den Beruf einer Fotografin.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte Kurt Kröning in Stralsund zu den Mitbegründern der Liberaldemokratischen Partei Deutschlands (LDPD) und wurde im Juli 1946 zum Vorsítzenden der Ortsgruppe gewählt. Er war Stadtverordneter, Fraktionsvorsitzender, Mitglied des Landesvorstands und des Zentralvorstands seiner Partei.

Als Stadtverordneter wurde Kurt Kröning im Dezember 1945 in den Verwaltungsrat der Stadtsparkasse gewählt. Im Juli 1946 folgte dann die Berufung zum 2. Vorsitzenden des geschäftsführenden Ausschusses der Bürgerschaft und im Oktober 1946 die Wahl zum Abgeordneten des Mecklenburgischen Landtages, in dem er als zweiter Vizepräsident wirkte. Er war außerdem Mitglied des Deutschen Volksrates3 und bis zum Oktober 1950 der Volkskammer4 der DDR.

Anfang 1951 zerbrach seine Karriere. Er wurde aus der LDPD ausgeschlossen und seine Mandate wurden ihm aberkannt. Am 5. Februar 1951 wählte er den Freitod auf einem S-Bahnhof in Berlin-Charlottenburg. Gerüchten zufolge ging seinem Freitod ein Gespräch mit der Staatssicherheit der DDR voraus, in dem ihm Beziehungen zu reaktionären westdeutschen Kreisen vorgeworfen worden waren.

Über die von ihm in Stralsund betriebene „Fa. Kurt Kröning – Landwirtschaftliche Waren“5 wurde am 6. Februar 1951 ein Treuhänder durch die Stadtverwaltung eingesetzt, der den Betrieb auflösen und verkaufen sollte. Eine Inventur Anfang Februar ergab einen Wert von 3.100,00 DM für das Gesamtinventar der Firma und von 2.704,00 Euro für den Warenbestand. Der Betrieb einer vorhandenen Ölpresse war bereits im April 1947 wegen Unwirtschaftlichkeit eingestellt worden. Die einzigen Einnahmen, die die Firma fortan verbuchte, stammten aus dem Handel mit Prämienöl und der Verwaltung der Liegenschaften. Gertrud Kröning, eine der drei Angestellten der Frima, wandte sich im März 1951 an die Stadt mit der Bitte einer monatlichen Zahlung von 200 DM für ihre Lebenshaltung. Mit der Nicht-Wiederzulassung des Betriebes als Ausgabestelle für Prämienöl6 im August 1951 verlor die Firma die Basis ihrer Existenz. Am Ende der gerichtlichen Untersuchungen wurde Kurt Kröning im Oktober 1951 hinsichtlich der Betriebsführung von jeglichem schuldhaften Verhalten freigesprochen. Ein Jahr nach dem Tod von Kurt Kröning wurde die Treuhandschaft aufgehoben und die Kartoffelflockenfabrik im November 1951 aufgelöst.

1952 zogen Getrud Kröning und die beiden Mädchen nach Berlin-West zur Tante mütterlicherseits und deren Ehemann7. Edith machte in Berlin bei Tatjana Gsovsky eine Ausbildung in klassischem Tanz. Während 1953 beide Schwestern nach Hamburg zogen, blieb Gertrud in Berlin8. Sie verstarb 1974 in Berlin und wurde dort auch beigesetzt. Edith wurde 1953 Mutter und zog nach Düsseldorf, wo sie ein Engagement als Tänzerin annahm. Anfang der 1960er Jahre kehrte sie nach Hamburg zurück und machte eine Umschulung zur Bibliothekarin. Im September 1975 heiratete sie den Sänger, Regisseur und Schauspieler Adi Appelt. Beide zogen nach Bienenbüttel bei Lüneburg. Dort verstarb Adi Appelt 1981. Edith heiratete später ein zweites Mal; den Bühnenmeister Werner Perschke. Am 22.12.2010 verstarb Edith in Bienenbüttel und wurde auf dem Friedhof in Bad Bevensen beigesetzt.

Brigitte arbeitete als Fotografin in Hamburg im Geschäft „Foto-Heinrich“. 1962 heiratete sie den Juniorchef des Unternehmens, Robert F.G. Heinrich. Im darauffolgenden Jahr kamen zwei Zwillingsmädchen und 1965 die jüngste Tochter in Hamburg zur Welt. Brigitte starb am 20.04.2012 in Hamburg.

Quellen:

  1. Adressbücher Stralsund 1900-1958
  2. Stadtarchiv Stralsund, Rep. 29, Nr. 137, Liste jüdischer Geschäfte vom 11.08.1938
  3. Stadtarchiv Stralsund, Rep. 52, Nr. 975, Treuhandschaft über die Fa. Kurt Kröning Stralsund, Landwirtschaftliche Waren 1951/52
  4. Kurt Kröning, unter www.wikipedia.org, abgerufen am 24.08.2021, 14:23 Uhr
  5. Stadtarchiv Stralsund, Rep. 18, Nr. 435, Liste der Juden Stralsunds
  6. Stadtarchiv Stralsund, Rep. 48, Nr. 001, Stadt Ausschusssitzung vom 21. Dezember 1945
  7. Nachfahren der Familie

1 heute: Carl-Heydemann-Ring 27
2 Der Semlower Kanal 5 war davor Geschäftsadresse für Guido Fraenkels Lumpensortieranstalt und Josef Rotenbergs Rohproduktehandel.
3 Der Deutsche Volksrat war 1948 und 1949 ein politisches Gremium in der späteren DDR.
4 Die Volkskammer war das gesetzgebende Organ der DDR.
5 Dies war die frühere Kartoffelflockenfabrik am Semlower Kanal 5. Das Grundstück befand sich seit dem Oktober 1937 im Eigentum von Kurt Kröning und zwei Mitgesellschaftern. Diese hatten hier im Dezember 1937 eine offene Handelsgesellschaft begründet, die aber im Februar 1948 auf Beschluß der Gesellschafter aufgelöst worden war. Ab November 1948 war dann Kurt Kröning alleiniger Eigentümer des Grundstücks.
6 Prämienöl wurde ausgegeben als Kraftstoff für Erntefahrzeuge.
7 Annie und Hans Becker
8 1957 lebte sie in der Eichkampstraße 10, Berlin, Eichkamp.