Vorname Julius
Nachname Guttmann
Geburtsname
Geburtsdatum 27.04.1872
Geburtsort Kempen (Kepno), heutigesPolen
Wohnort(e)
  • Stralsund, Tribseer Damm 7
Beruf Kaufmann, Glas-, Porzellan-, Steingutwaren
Geschäftsadresse Tribseer Straße 26, Stralsund
Familienstand verheiratet
Verwandschaftsverhältnis Ehemann von Johanna Kiwi (geb. 1873)
Deportation 12.02.1940 Piaski
Todesdatum unbekannt
Sterbeort

Julius Guttmann und Familie

Julius Guttmann wurde am 27. April 1872 in Kempen/Poznán (Kepno), in Polen als Sohn von Samuel Isaac Guttmann und Paula Gutmann geboren. Samuel Isaac war als Kultusbeamter bei der Jüdischen Gemeinde Posen tätig. Julius’ Brüder Siegfried und Wolff als Kaufleute in der Stadt ansässig. Wolff war Inhaber einer Liqueur- und Fruchtsäftefabrik. Beide Brüder erscheinen auch 1916 noch im Adressbuch von Poznán.

Wahrscheinlich 1896 heiratete Julius die 1873 in Poznán geborene Johanna Kiwi. Am 5. Oktober 1897 kam Sohn Georg in Poznán zur Welt, 1900 der zweite Sohn- Jakob. Im Wohnungsanzeiger von Poznán 1898 erscheint Julius Guttmann als Buchhalter in der Schuhmacherstraße 11. Spätestens zur Jahresmitte 1904 zog die Familie nach Wroclaw (Breslau). Hier kam im August der jüngste Sohn des Ehepaares, Martin, zur Welt.

Seit 1911 lebte Julius mit seiner Familie in Stralsund. Die ersten Jahre waren offenbar geprägt durch ständige Umzüge. Der Wohnungsanzeiger von Stralsund aus dem Jahre 1920 weist ihn und seinen ältesten Sohn Georg dann als Kaufmann an der Tribseer Straße 26 aus. Hier befand sich bis in die Zeit des Nationalsozialismus hinein neben der Wohnung der Familie auch das Kontor der Glas-, Porzellan- und Steinguthandlung von Julius Guttmann. Wann Julius das Geschäft aufgab, lässt sich nicht ermitteln. In der zweiten Hälfte des Jahres 1938 zog das Ehepaar Guttmann – die Söhne hatten das Elternhaus bereits verlassen – in den Tribseer Damm 7.

Wann genau Sohn Georg Stralsund verließ, ist nicht bekannt. Er ging zuerst nach Wittenberg, später dann nach Rostock. Im Januar 1932 verlässt Georg das Judentum und die jüdische Gemeinde. Zwölfmal wird er wegen Unterschlagung,Betrug, Diebstahl, Erpressung, Hausierertums und Urkundenfälschung gerichtlich verurteilt. Als er im Mai 1933 erneut wegen Unterschlagung verurteilt wird, muss er seine Haft in Bützow-Dreibergen antreten. Bei seiner Entlassung im August des gleichen Jahres geht er nach Rostock. Hier verliert sich für uns seine Spur.

Die beiden anderen Söhne, Jakob und Martin, verbrachten in Stralsund ihre Schul- und Jugendjahre. Von Martin wissen wir, dass er 1923 Stralsund wegen des Studiums verließ und nur noch sporadisch seine Eltern hier besuchte. Im Wohnungsanzeiger von 1927 taucht er mit der Berufsbezeichnung Architekt an der Adresse seiner Eltern, Tribseer Straße 26, auf, hat dann aber Deutschland in Richtung Vereinigte Staaten verlassen. Dort ließ er sich in Camden, New Jersey, nieder, heiratete und betrieb nach dem Krieg ein Architekturbüro. 1966 kehrte er kurz nach Stralsund zurück und errichtete auf dem Jüdischen Friedhof Stralsund einen Grabstein für seine Eltern.

Julius Guttmann war Ende 1932 Vorsteher des „Israelitischen Kranken-, Beerdigungs- und Unterstützungsvereins“1. Julius und Johanna Guttmann waren Mitglieder der Stralsunder Synagogengemeinde. Sie sind in beiden Listen2 erfasst. Aus der Auflistung der Vermögenswerte vom April 19383 wird ersichtlich, dass beide Ehepartner von Julius’ Rente lebten, die monatlich bei 75,70 Reichsmark betrug. Weiterer Besitz war nicht vorhanden.

Im Oktober 1938 mussten Julius und Johanna die Eintragung eines Zwangsnamens bei der Stadtverwaltung beantragen4. 1938 wohnten sie bereits im Tribseer Damm 7, einem Haus, dessen Berliner Besitzerin Wally Lehmann aus der Stralsunder jüdischen Familie Davidsohn stammte und in dem über die Jahre hinweg einige Stralsunder Juden eine Zuflucht fanden.

Quellen:

  1. Wohnungsanzeiger Stralsund 1924-1941
  2. Adressbuch Posen 1898, 1910
  3. Stadtarchiv Stralsund, Rep. 18, Nr. 432, 440, 435, 442
  4. Personendatenbank Juden im ehemaligen Deutschen Reich, www.online-ofb.de, abgerufen am 23.04.2021
  5. Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 bis 1945, www.bundesarchiv.de
  6. M. Buddrus/S. Fritzlar: Juden in Mecklenburg 1845-1945. Lebenswege und Schicksale. Ein Gedenkbuch. Schwerin 2019, 2 Bde.
  7. Wohnungsanzeiger Poznán 1898
  8. Yad Vashem, Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer, www.yadvashem.org

1 Vgl. Dazu: Wolfgang Wilhelmus: Juden in Vorpommern im 19. Jh.
2 1934 und 1938 erstellt durch den Vorstand der Synagogengemeinde
3 Vgl. dazu: Stadtarchiv Stralsund, Rep. 18, Nr. 442
4 Grundlage dafür war die „Zweite Verordnung zur Durchführung des Gesetzes über die Änderung von Familiennamen und Vornamen” vom 17. August 1938 (RGBl I, 1044)