| Vorname | Emma |
|---|---|
| Nachname | Tomaschewski |
| Geburtsname | Wolfson |
| Geburtsdatum | 27.10.1872 |
| Geburtsort | Krakow a. See, bei Güstrow |
| Wohnort(e) |
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| Beruf | Gastwirtin |
| Geschäftsadresse | Stralsund, Langenstraße 40 "Schifferheim" |
| Familienstand | verheiratet |
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| Verwandschaftsverhältnis | Ehefrau von Rudolf Tomaschewski (geb. 1876), Mutter von Willi (geb. 1906), Ella Reiser (geb. 1908), Albert (1907-1997) und Erich (geb. 1912) |
| Deportation | keine |
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| Todesdatum | 06.06.1941 |
| Sterbeort | Neufahrn/Niederbayern |
Emma Tomaschewski, geb. Wolfson und Familie
Emma Tomaschewski wurde am 27. Oktober 1872 in Krakow am See, Mecklenburg, als Tochter von Julius Wolfson (1835-1899) und seiner Frau Minna, geb. Arons (1844-1902) geboren. Die Eltern hatten 1869 in Lübz geheiratet. Ihre Kinder, Carl (1870-1922), Alfred (geb. 1871), Emmy (1872-1941), Paul (1877-1942), Alexander (1881-1942) und Otto (geb. 1883) wurden alle in Krakow am See geboren. Paul und Alexander wurden deportiert und kamen 1942 in den Konzentrationslagern Lodz (Litzmannstadt) und Auschwitz ums Leben. Bis auf Alexander und Paul wanderten auch Emmys Brüder Anfang des 20. Jahrhunderts zeitweise oder ganz nach Deutsch-Südwestafrika1 aus. Vereinzelt kamen sie zurück nach Europa, um dann erneut nach Südafrika auszuwandern.
Emmy heiratete 1904 den aus Sonnenborn in Thüringen stammenden Nicht-Juden Rudolf Tomaschewski (geb. 1876), der 1896/97 nach Deutsch-Südwest-Afrika ausgewandert war, dort beim Regierungsbahnbau arbeitete und hier auch am Weltkrieg teilnahm. Im Oktober 1901 gingen sie nach Deutsch-Südwestafrika2, wo ihre beiden Söhne Willy (geb. 1906) und Albert (geb. 1907) zur Welt kamen. Die Dokumente des Stadt-archivs sprechen noch von insgesamt zehn Kindern des Ehepaares, von denen vier am Leben blieben. Ein weiterer Sohn, Erich (geb. 1912), wohnte in Schöneberg/Mecklenburg bzw. in Tarnewitz/Boltenhagen, Kreis Grevesmühlen3, war Kraftwagenführer und stellte 1937 einen Antrag auf Eheschließung mit der Stralsunderin Anna Kiesow, über dessen Bescheid keine weitere Eintragung vorliegt. Die Schwester heira-tete einen Maschinenschlosser. Auch über sie gibt es keine weiteren Informationen.
Alle Kinder und auch ihr Vater Rudolf gehörten der evangelischen Glaubensgemeinschaft an. Kurz nach dem Weltkrieg wurde die Familie aus Süd-West-Afrika ausgewiesen, kehrte nach Deutschland zurück und ließ sich in Stralsund nieder, wo Rudolf Tomaschewski seit 1930 als Gastwirt des „Schifferheim“, Lange Straße 40, und als Eigentümer des Grundstückes im Stralsunder Wohnungsanzeiger verzeichnet ist. Besit-zer des Hauses war Emmy Tomaschewski. Emmy arbeitete in der Gastwirtschaft mit, die beiden Söhne er-lernten nach Beendigung ihrer Schulzeit den Beruf eines Bäckers.
Emmy Tomaschewski war kein Mitglied der Stralsunder Synagogengemeinde. Die Ehe mit einem Nicht-Juden rettete sie und ihre Söhne vor der Deportation.
Im Jahr der Machtergreifung durch die Nazis heiratete Albert die Stralsunderin Gertrud Hedwig Elisabeth Charlotte Hinkelday (1906-1970). Nach seiner ersten Wohnung in der Reiferbahn 9b zog er spätestens 1934 mit seiner Familie in die Gartenstraße 9. Dort kam am 10. August 1934 der Sohn Herbert zur Welt. Gertrud Tomaschewski erscheint im Adressbuch von 1951 als Mieterin in der Langen Straße 40. Ihre Ster-beurkunde gibt ihren Familienstand mit “geschieden” an. Darauf deuten auch die getrennten Wohnsitze beider Ehepartner nach Kriegsende.
Albert muss um 1940 seinen Beruf als Bäcker aufgegeben haben, denn das Adressbuch von 1941 nennt ihn als Maschinisten an der Adresse Reiferbahn 9b. Die Gründe dafür sind nicht bekannt. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg blieb Albert bei dem technischen Beruf. Er findet sich im Adressbuch des Jahres 1951 als Elektro-Schweißer mit der Anschrift Frankendamm 15. 1992/93 erscheint er an der Adresse Friedrich-Wolf-Straße 16. Albert stirbt im hohen Alter von 90 Jahren in Stralsund; Gertrud bereits 1970.
Der älteste Sohn, Willy, war zur Zeit des Nationalsozialismus nicht verheiratet und sollte die Gastwirtschaft seiner Eltern übernehmen. Im Mai 1929 zog er, aus Stavenhagen/Mecklenburg kommend, bei seinen Eltern ein, verdiente sich sein Geld als Gelegenheitsarbeiter und begann 1937, für seine Eltern die Gast-wirtschaft zu führen. Die Übernahme der Gaststätte wurde ihm nicht mehr möglich. Am 1. Dezember 1936 stellte Willi einen Antrag auf Eheschließung mit der Stralsunder Nicht-Jüdin Liesbeth Gustave Marie Steinfurth (geb. 20. Januar 1908 in Silmenitz/Garz/Rügen). Das Gesundheitsamt schreibt in seinem Gutachten: „Soweit überhaupt die Ehe zwischen einem jüdischen Mischling 1. Grades und einem arischen Mädchen möglich erscheint, liegen in diesem Falle besondere Bedenken nicht vor. Vor allem scheint der Antragsteller Tomaschewski auch geistig wenig jüdischen Einschlag zu haben. Ohne Vorkenntnis würde man ihm den jüdischen Einschlag nicht anmerken.“4 Mit Schreiben vom 26. Februar 1938 wird der Antrag vom Reichsinnenminister abgelehnt. Willi Tomaschewski musste darüberhinaus die Verwaltungskosten in Höhe von 10 Reichsmark tragen.
Ende 1939 musste das Ehepaar Tomaschewski die Gastwirtschaft an die Stadt verkaufen. Über das weitere Schicksal von Emmy, ihrem Ehemann Rudolf und dem Sohn Willy wissen wir nicht viel.
Emmy starb am 6. Juni 1941 in Neufahrn in Niederbayern. Wieso und warum sie dorthin kam, ist nicht bekannt. Willy tauchte nach dem Krieg in den Listen der Ausländischen und Deutschen Staatsangehörigen im Sektor der Amerikanischen Besatzungsmacht der Gemeinde Neufahrn5 auf. Rudolf kam nach dem Zweiten Weltkrieg noch einmal nach Stralsund und stellte den Antrag auf Anerkennung als Opfer des Faschismus. Dieser wurde abgelehnt. Weitere Hinweise auf seinen Verbleib gibt es nicht.
Herbert heiratete und ist noch 1992/1993 im Wohnungsanzeiger von Stralsund aufgeführt.
Quellen:
- Wohnungsanzeiger Stralsund 1924, 1941, 1951, 1992/93
- Stadtarchiv Stralsund, Rep. 18, Nr. 440, Jüdische Vornamen (handschriftlich)
- Stadtarchiv Stralsund, Rep. 18, Nr. 435, Verzeichnis der in Stralsund ansässigen Juden und „jüdischen Mischlinge“ 1938-1939
- Stadtarchiv Stralsund, Rep. 18, Nr. 432a
- M. Buddrus/S. Fritzlar: Juden in Mecklenburg 1845-1945. Lebenswege und Schicksale. Ein Gedenkbuch. Schwerin 2019, 2 Bde.
- Stadtarchiv Neufahrn/Niederbayern, Sterberegister
- www.arolsen-archives.org


