Vorname Edith Hildegard, geb. Gerson
Nachname Quietsch
Geburtsname Gerson
Geburtsdatum 17.12.1911
Geburtsort Stralsund
Wohnort(e)
  • Stralsund, Mönchstraße 31
  • Berlin, Paulstraße 26
Beruf Stenotypistin
Geschäftsadresse
Familienstand geschieden
Verwandschaftsverhältnis geschiedene Ehefrau von Erich Quietsch
Deportation keine, Überlebende
Todesdatum 14.05.1962 (Freitod)
Sterbeort Stralsund

Edith Quietsch, geb. Gerson

Edith Gerson wurde am 17. Dezember 1911 als jüngstes von drei Kindern des jüdischen Schreib- und Papierwarenhändlers Hermann Gerson und seiner nicht-jüdischen Ehefrau Agnes, geb. Miethe (geb. 1886), in Stralsund geboren. Ihr Elternhaus in der Mönchstraße 31 liegt ca. 20 Schritte vom Neuen Markt entfernt.

Edith besuchte die städtische Schule und erlernte danach den Beruf einer Stenotypistin. 1932 verstarb ihr Vater und ihre Mutter Agnes übernahm die Geschäftsführung des Familienbetriebes. Die beiden Brüder Gerhard (1907-1942) und Felix (1908-1943) arbeiteten im Unternehmen als Handelsreisende für Büro- und Schreibmaschinen mit.

Das Geschäft bot der Familie bis zur Machtergreifung der Nazis ein Auskommen. Mit den Nürnberger Rassegesetzen von 1935 und der nationalsozialistischen “Verordnung zur Entjudung der deutschen Wirtschaft” von 1938 wurden Edith und ihre Geschwister als “Mischlinge 1. Grades” klassifiziert und ihre Mutter in der staatlichen „Liste der jüdischen Elternteile“ vom 6. Dezember 1938 erfasst, die die Vermögens- und Lebenssituation der in deutschen Orten beheimateten Juden dokumentierten. Ediths Brüder tauchen auch in der „Liste der Volljuden“ vom 1. Dezember 1938 bzw. den monatlich angelegten „Veränderungs-listen“ der Jahre 1938/39 auf.

In den Unterlagen des Stralsunder Stadtarchivs ist ein Gesuch vom Oktober 1937 erhalten, in dem Edith die Eheschließung mit dem nicht-jüdischen Ingenieur Hans-Joachim Kelpe1 aus Neumünster beantragt. Zu diesem Zeitpunkt galten bereits die Nürnberger Rassegesetze2. Dem folgenden Bürokratieaufwand und regelrechten Spießrutenlauf der zuständigen Stellen in Neumünster war Hans-Joachim Kelpe nicht gewachsen. Er resignierte und Edith wurde mitgeteilt, dass ihr Bräutigam zurückgezogen hätte, woraufhin auch Edith ihr Gesuch zurückzog.

Eberhard Schiel erwähnt in seinem Buch „Braune Schatten überm Sund“ eine Bekannte, die erklärte, dass es aus dieser Beziehung ein Kind geben soll3. Diese Information konnte nicht belegt werden.

Edith lebte und arbeitete zu dieser Zeit in Berlin, Tiergarten. Ihre dortige Wohnanschrift war in der Paulstraße 26. Die Unterlagen im Stadtarchiv belegen, dass sie im Mai 1939 ihre Mutter besuchte und gut einen Monat in Stralsund blieb. Im Juni kehrte sie nach Berlin zurück.

Die Beziehung zwischen Edith und Hans-Joachim hatte aber trotz aller Widrigkeiten Bestand: Gleich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges heirateten sie. Schon zwei Jahre später verstarb Hans-Joachim und Edith kehrte nach Stralsund zurück.

Hier heiratete sie den in Stralsund ansässigen Erich Quietsch. Diese neue Beziehung war offenbar nicht glücklich und brachte so viele Spannungen mit sich, dass Ediths Nerven angegriffen wurden.

Sie begab sich in stationäre psychiatrische Behandlung im Klinikum West in Stralsund. Geheilt werden konnte sie nicht. Nach ihrer Entlassung stürzte sie sich am 14. Mai 1962 aus dem Fenster ihres Elternhauses in der Mönchstraße 31 in den Tod. Ihre Grabstelle befindet sich auf dem Zentralfriedhof in Stralsund.

Seit dem Juli 2008 liegt vor ihrem Haus ein Stolperstein für sie.

Quellen:

  1. Stadtarchiv Stralsund, Rep. 18, Nr. 432a,
  2. Wohnungsanzeiger Stralsund 1900-1951
  3. Eberhard Schiel, Braune Schatten überm Sund, Scheunenverlag Saal/Mecklenburg, 1999
  4. Geburtenbücher Stralsund 1911

1 Siehe dazu: Stadtarchiv Stralsund, Rep. 18, Nr. 432a
2 15.09.1935
3 Ebenda, S. ?