Vorname Max
Nachname Cassel
Geburtsname
Geburtsdatum 13.10.1880
Geburtsort Stolp (Slupsk), heutiges Polen
Wohnort(e)
  • Stralsund, Jahnufer 14
Beruf Kaufmann, Geschäftsinhaber
Geschäftsadresse Fischkonservenfabrik S. Cassel, Großer Diebsteig 12, Stralsund
Familienstand alleinstehend
Verwandschaftsverhältnis
Deportation keine
Todesdatum 09.12.1932
Sterbeort Stralsund

Max Cassel

Der Kaufmann Max Cassel wird im Wohnungsanzeiger von Stralsund 1907 erstmals genannt. Im Sterbebuch Stralsunds aus dem Jahr 1932 wird sein Geburtsort mit Stolp in Pommern und sein Geburtsdatum mit Oktober 1880 angegeben. Max Cassel war nicht verheiratet. Diese Daten konnten nicht dokumentarisch belegt werden, sondern beruhen auf den Angaben des Firmenangestellten, der den Tod meldete.

Nach seiner Ausbildung übernahm Max Cassel die Fischräucherei „S. Cassel“, die seit 1896 in Stralsund bestand. Diese Firma erscheint in den Adressbüchern der Stadt ab 1897 mit Sitz im Großen Diebsteig 12. Ein Zusatz kennzeichnet sie als Filiale einer in Stolp ansässigen Firma gleichen Namens1. Ab 1914 war Max Cassel ihr Inhaber.

Aus der “Fischräucherei S. Cassel” wurde 1920 die “Fischconservenfabrik S. Cassel” und als solche firmierte sie bis zu ihrem Verkauf 1938. Im Adressbuch Stralsunds von 1926 wird Max Cassel als “Fabrikant” mit erstmals separater Wohnadresse in der Seestraße 4 genannt.

Den Nationalsozialisten in Stralsund fiel relativ spät auf, dass es sich bei dieser Firma um eine jüdische handelte. Der Grund lag wahrscheinlich darin, dass Max Cassel als Inhaber vor Ort bereits im Dezember 1932 verstarb und nicht in den Listen der Synagogengemeinde aus den Jahren 1934 und 1938 auftauchte. Als Geschäftsführer der Firma fungierte seit 1912 der Stralsunder Kaufmann Hermann Schröder. Eingetragener Inhaber des Unternehmens war Frau Hertha Cassel mit Wohnsitz in der Schlüterstraße 5 in Hamburg. Sie verkaufte die Firma inklusive Warenbestand im August 1938 für 33.000 Reichsmark an Hermann Schröder. Hermann Schröder verkaufte die Konserven weiter unter dem Firmennamen „S. Cassel“, was der neuen Administration mehrmals Grund gab, ihn zur Änderung der Aufschrift auf den Konserven aufzufordern. Als Gründe für sein Verhalten verwies er auf den umfangreichen Bestand an Konserven, den er erworben hatte und auf die Tatsache, dass „S. Cassel“ ein Name war, der bei dem großen Exportgeschäft der Firma in das Baltikum nicht ohne Risiko zu ersetzen wäre. Letztendlich einigte man sich darauf, den Namenszug zu überkleben und die Konserven, bei denen ein solches Verfahren nicht möglich wäre, ausschließlich an die Belegschaft der Firma weiter zu verkaufen.

Die Firma taucht auch noch im Wohnungsanzeiger 1941 unter dem Namen „Fischconservenfabrik S. Cassel“ an ihrem Standort Großer Diebsteig 2 auf.

Quellen:

  1. Familiendatenbank Juden im Deutschen Reich, auf: www. online-ofb.de
  2. Stadtarchiv Stralsund, Rep. 18, Nr. 613, Verkauf der Fischconservenfabrik S. Cassel, Kleiner Diebsteig 2
  3. Stadtarchiv Stralsund, Rep. 18, Nr. 614, Umbenennung der von Hermann Schröder geleiteten Fischkonservenfabrik des früheren jüdischen Besitzers S. Cassel, Kleiner Diebsteig 8b
  4. Sterbebuch Stralsund, 1932, Nr. 577
  5. Stadtarchiv Stralsund, NGenz 16 (1929-1950), Bericht der Gewerbepolizei vom 12.08.1938 über die Entjudung der Wirtschaft
  6. Wohnungsanzeiger Stralsund, 1897-1941
  7. Wohnungsanzeiger der Stadt Stolp, 1885-1900
  8. Stadtarchiv Stralsund, Rep. 18, Nr. 433, Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben, Bericht über Verkauf “Fischconservenfabrik S. Cassel”, vom 12.08.1938

1 Trotz Nachfrage und Recherche in den Adressbüchern der Stadt Stolp konnte die Existenz der „Fischräucherei S. Cassel“ nicht nachgewiesen werden. Im vorliegenden Zeitraum gab es in Stolp seit einiger Zeit einen Rohproduktenhandel „S. Cassel“ (Samuel Cassel), aber keine Fischräucherei.

Briefkopf Cassel