Vorname Albert
Nachname Tomaschewski
Geburtsname
Geburtsdatum 13.08.1907
Geburtsort Omaruru, Namibia
Wohnort(e)
  • Stralsund, Gartenstraße 9
  • Stralsund, Reiferbahn 9b
Beruf Bäcker, Maschinist
Geschäftsadresse
Familienstand geschieden
Verwandschaftsverhältnis Ex-Ehemann von Gertrud Hinkelday (1906-1970), Vater 1 Sohnes
Deportation keine, Überlebender
Todesdatum 08.11.1997
Sterbeort Stralsund

Albert Tomaschewski und Familie

Albert Tomaschewski wurde am 13. August 1907 in Omaruru, Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia) als Sohn des Rudolf Tomaschewski (geb. 1876) und der Jüdin Emma Wolfson (1872-1941) geboren.

Bis zum Jahr 1918 lebte er mit seiner Familie in Namibia und seit 1920 in Gnoien, Mecklenburg, wo sein Vater Rudolf eine Gastwirtschaft führte. Albert besuchte die Schule und erlernte dann den Beruf eines Bäckers und Konditors. 1927 zog er mit seinen Eltern nach Stralsund, wo er eingebürgert wurde.

Im Jahr der Machtergreifung durch die Nazis heiratete Albert die Stralsunderin Gertrud Hedwig Elisabeth Charlotte Hinkelday (1906-1970). Nach seiner ersten Wohnung in der Reiferbahn 9b zog er spätestens 1934 mit seiner Familie in die Gartenstraße 9, dort kam am 10. August 1934 sein Sohn Herbert zur Welt.

In den Jahren 1933 und 1934 arbeitete Albert Tomaschewski als Postangestellter, beim Wasserbauamt und schließlich als Kasernenheizer, verlor jedoch alle diese Tätigkeiten immer wieder wegen seiner jüdischen Abstammung. Auch seine kurze Mitgliedschaft in der NSDAP und der SA endete sobald bekannt wurde, dass seine Mutter Jüdin war. Von 1941 bis 1943 verpflichtete man ihn als Baggerführer in die “Organisation Todt”1 nach Serbien. Durch einen Arbeitsunfall an einer Hand geschädigt, wurde Albert nach Arnimswald (Zaᴌom)/Stettin geschickt. Hier verrichtete er bis Kriegsende Hilfsarbeiten in den Rüstungswerken.

Nach seiner Rückkehr nach Stralsund beantragte er die Anerkennung als Opfer des Faschismus, die aber abgelehnt wurde. Auch das Haus Lange Straße 40, das vor dem Krieg Eigentum seiner Mutter gewesen war und auf Betreiben der Nationalsozialisten zwangsenteignet wurde, erhielt er nicht zurück. Es verblieb im Eigentum der Stadt. Mitte Oktober 1945 erteilte ihm der Rat der Stadt Stralsund die Konzession für den Betrieb einer Schank- und Speisenwirtschaft in diesem Haus. Seine Frau Gertrud, die keinen Beruf erlernt hatte, arbeitete im “Schifferheim” als Kellnerin mit.

Albert Tomaschewski musste sich mehrmals und vor verschiedenen Gerichten wegen Verstoßes gegen die Preisstrafrechts-Verordnung verantworten und neben Strafzahlungen auch Haftstrafen2 antreten. Aufgrund dieser wiederholten Rechtsbeugungen und der Tatsache, dass er bei der Beantragung der Konzession falsche Angaben zur NSDAP und SA-Zugehörigkeit gemacht hatte, entzog ihm der Rat der Stadt Stralsund am 31. Mai 1949 die Konzession, nachdem die Gewerbeaufsicht das “Schifferheim” am 27. Mai geschlossen hatte.

Im Wohnungsanzeiger von 1951 finden sich die beiden Ehepartner mit verschiedenen Adressen: Gertrud erscheint als Mieterin in der Langen Straße 40. Ihre Sterbeurkunde gibt ihren Familienstand auch mit “geschieden” an. Sie stirbt 1970 in Stralsund.

Albert erscheint 1951 als Elektro-Schweißer, wohnhaft am Frankendamm 15. 1992/93 erscheint er mit der Wohnadresse Friedrich-Wolf-Straße 16. Er stirbt im hohen Alter von 90 Jahren in Stralsund.

Quellen:

  1. Wohnungsanzeiger Stralsund 1924-1992
  2. Stadtarchv Stralsund, Rep 18, Nr. 432a
  3. Geburts-, Sterbe- und Ehebücher Stralsund

1 Die Organisation Todt wurde 1938 als paramilitärische Baugruppe für Rüstungsprojekte und -anlagen in den besetzten Gebieten gegründet.

2 Am 25. Mai 1949 verurteilte ihn das Gericht Stralsund wegen Hehlerei zu einer dreimonatigen Haftstrafe und erteilte ein zweijähriges Berufsverbot.