| Vorname | Abraham |
|---|---|
| Nachname | Liwschütz |
| Geburtsname | |
| Geburtsdatum | 15.09.1892 |
| Geburtsort | Stawidty, Kiew/Russland |
| Wohnort(e) |
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| Beruf | Händler |
| Geschäftsadresse | Stralsund, Frankenstraße 85 |
| Familienstand | verheiratet |
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| Verwandschaftsverhältnis | Ehemann von Beile, geb. Lustig (1903-1940), Vater von Manfred (1924-1940) |
| Deportation | 12.02.1940 Piaski |
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| Todesdatum | 1940 |
| Sterbeort | Piaski |
Abraham Liwschütz und Familie
Günther Abraham Liwschütz wurde am 15. September 1892 in Stawidty, Kiew/Russland, heutige Ukraine, geboren. Seine Eltern waren Naom Liwschütz und Paula, geb. Spector.
Abraham heiratete im November 1921 in Güstrow die Jüdin Beile/Beila Lustig. Beile wurde am 23. April 1903 in Komarnow, Galizien, als Tochter von Manfred/Menachem Lustig (1860-vor 1917) und Shaja, geb. Buxbaum (1859-1933) geboren. Ihre Mutter, die jüdische Händlerin Chaje Rachel, genannt Klara Buchsbaum (1859-1933), übernahm nach dem Tod ihres Mannes das Geschäft und zog Anfang März 1911 mit ihren Kindern1 nach Güstrow, in die Hollstraße 24, wo sie ein Zimmer anmietete2, was sie dann aber nicht bezog. Sie ließ sich mit ihren Kindern in der Hollstraße 10 nieder, wo Verwandte einen An- und Verkauf von Damen- und Herrenkonfektion betrieben.
An dieser Adresse lebten auch Abraham und Beila nach ihrer Eheschließung bis zu ihrem Umzug in die Baustraße 6. Am 29. März 1924 wurde beider Sohn Manfred in Güstrow geboren.
Abraham Liwschütz verließ mit seiner Familie nach 1924 Güstrow und ging nach Stralsund. Die Familie von Beiles Bruder Leon Leib Buchsbaum (geb.1900) begleitete sie wahrscheinlich. Beide Familien ließen sich in der Stralsunder Frankenstraße nieder; Abraham eröffnete in der Nr. 85 ein Geschäft für Alt- und neue Bekleidung und Leon betrieb in der Nr. 1 einen Altwarenladen. Der Stralsunder Wohnungsanzeiger von 1931 verzeichnet beide an ebendiesen Adressen das erste Mal. In beiden Häusern gab es bereits vorher jeweils Geschäfte, die frei wurden bzw. deren Inhaber die Geschäftstätigkeit aufgab.
Abraham und seine Familienmitglieder werden sowohl 19343 als auch 1938 als Mitglieder der jüdischen Gemeinde genannt. Beide Elternteile wurden von der nationalsozialistischen Verwaltung als “Staatenlose” geführt. Ende des Jahres 1938 waren Abraham und Manfred gezwungen, sich den Zwangsnamen “Israel” eintragen zu lassen. Beile blieb von dieser Maßnahme verschont, da ihr Vorname sie eindeutig als Jüdin auswies.
Im Zuge der Verhaftungswelle nach der Reichspogromnacht im November 1938 wurde Abraham zusammen mit anderen Stralsunder Juden im Konzentrationslager Sachsenhausen interniert, aber nach einiger Zeit wieder nach Hause entlassen.
Die Verordnung des Oberbürgermeisters vom 2. Dezember 1938 verfügte die Abwicklung und Schließung von Abrahams Geschäft. Zum Abwickler wurde der Stralsunder Buchhalter Erich Staebe bestellt, der den Warenbestand auf einen Wert von 607,80 Reichsmark schätzte und ihn für 606,20 Reichsmark an den Altwarenhändler H. Huber aus der Frankenstraße 11 veräußerte. Auch das Inventar des Ladens ging an H. Huber. Als “Gewinn” aus der Abwicklung erhielt die Familie Liwschütz am 8. März 1939 542,80 Reichsmark ausgezahlt. Das Geschäft wurde zum 13. Februar 1939 formal geschlossen.
Zum Zeitpunkt der Auflistung der jüdischen Vermögen in der Stadt belief sich Abrahams Barvermögen auf 7.615 Reichsmark. Nach der Auflösung seines Geschäftes wurden Abraham, Beile und Manfred Liwschütz gezwungen, in das Haus Tribseer Damm 7 zu ziehen, welches zu diesem Zeitpunkt noch der Tochter der jüdischen Familie Davidsohn4 gehörte.
Von hier wurde die komplette Familie am 12. Februar 1940 mit anderen pommerschen Juden in das Ghetto Piaski deportiert. Wir wissen nicht, wie es ihnen ergangen ist und was aus ihnen wurde. Abraham, Beile und Manfred sind nicht zurückgekehrt.
Für Abraham, Beile und Manfred werden 2026 Stolpersteine an ihrer letzten frei gewählten Wohnadresse in Stralsund gelegt.
Quellen:
- Stadtarchiv Stralsund, Rep. 18, Nr. 432, 435, 437, 439, 440, 442
- Stadtarchiv Stralsund, Rep. 29, Nr. 137
- Lubliner Judenliste, Liste der Deportierten der 1. Deportation pommerscher Juden vom 12. Februar 1940, Reihe: Zeitgeschichte regional, Hrsg. Geschichtswerkstatt Rostock
- Gedenkbuch. Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945, abrufbar unter: www.bundesarchiv.de, abgerufen am 27. Februar 2026
- Wohnungsanzeiger Stralsund 1919-1941
- Juden in Mecklenburg, unter: www.juden-in-mecklenburg.de, abgerufen am 27. Februar 2026
- Buddrus, Michael; Fritzlar, Sigrid, Juden in Mecklenburg 1845–1945. Lebenswege und Schicksale. Ein Gedenkbuch. 2 Bde., hrsg. Institut für Zeitgeschichte München-Berlin; Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern, 2019 Schwerin


