| Vorname | Leib/Leon |
|---|---|
| Nachname | Buchsbaum |
| Geburtsname | |
| Geburtsdatum | 23.12.1900 |
| Geburtsort | Komarno, Galizien, (Österreich/Ungarn)heutige Ukraine |
| Wohnort(e) |
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| Beruf | Altwarenhändler |
| Geschäftsadresse | Frankenstraße 1, Stralsund |
| Familienstand | verheiratet |
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| Verwandschaftsverhältnis | Ehemann von Fides/Yehudith Brand (geb. 1908), Vater von Manfred (geb. 1932) |
| Deportation | 26.10.1938 Abschiebung nach Polen |
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| Todesdatum | unbekannt |
| Sterbeort | unbekannt |
Leib Leo Buchsbaum und Familie
Leib Leo Buchsbaum wurde am 23. Dezember 1900 in Komarno/Krs. Rudki (heute: Komarno/Lwiw, Ukraine) geboren.
Seine Mutter war die jüdische Händlerin Chaje Rachel, genannt Klara Buchsbaum, geb. Kesler(1865-1933). Klara Buchsbaum lebte bis 1911 mit dem jüdischen Händler Menachem/Manfred Lustig (1860-1911) zusammen. Nach der Trennung von Menachem Lustig zog Rachel mit ihren Kindern Leo (geb. 1900), Samuel Lustig (1894-1964) – bis 1936 Samuel Buchsbaum genannt -, Mina Friedmann(1896-1978), Arnold (1898-1972) und Beila Liwschütz (1903-1940) Ende Februar 1911 nach Güstrow in die Hollstraße 24, wo sie ein Zimmer anmietete1, was sie dann aber anscheinend nicht bezog. Sie ließ sich stattdessen mit ihren Kindern in der Hollstraße 10 nieder, wo Verwandte2 einen An- und Verkauf von Damen- und Herrenkon-fektion betrieben. Leib erlernte den Beruf eines Tischlers.
Am 19. Juli 1929 heiratete er in Güstrow die 1904 in Bukaczowce, Galizien, heutige Ukraine, geborene Sara Holler. Sara war Jüdin, arbeitete lt. Eheschein als Angestellte und wohnte zu dieser Zeit in Stettin. Nach der Eheschließung ist für beide der Wohnsitz, Hollstraße 10, angegeben.
Ab 1931 wird Leib Buchsbaum in den Stralsunder Wohnungsanzeigern unter der Adresse Frankenstraße 1 als Händler mit Altwaren geführt. Der Eigentümer des Hauses war er nicht. Wahrscheinlich im selben Jahr 1931 heiratete er in Berlin in zweiter Ehe die am 16. Oktober 1908 in Horodenka/Ukraine geborenen Fides3 Brand. Ihre Eltern wohnten 1931/32 in Berlin, Prenzlauer Berg, in der Straßburger Straße 3. Fides war Hausfrau und Mutter des gemeinsamen Sohnes Manfred, der am 04. Februar 1932 in Stralsund zur Welt kam.
Buchsbaums gehörten zu den sogenannten „Ostjuden“, d.h. den Juden polnischer Staatsangehörigkeit. Die Familie Buchsbaum wurde als Mitglied der Stralsunder Synagogengemeinde 1934 geführt. Zum Zeitpunkt der Erstellung der zweiten Hauptliste der Stralsunder Juden 1938 war sie bereits auf der Grundlage des Schnellbriefs von Reinhard Heydrich, Chef der nationalsozialistischen Polizei, vom 27. Oktober 1938 nach Polen abgeschoben worden4. Laut des Berichtes der Polizeiverwaltung Stralsund vom 29. Oktober 1938
sind am 28. Oktober 1938 20 polnische Juden aus Stralsund in das Polizeigefängnis Stettin zwecks Über-nachtung während des Transportes eingeliefert worden. Darunter befindet sich auch Klara Buchsbaum, die in den Meldelisten zu den jüdischen Einwohnern der Stralsunder Polizei nie auftauchte. Da Chaje Lustig – die Mutter von Leib – bereits 1933 in Palästina gestorben war, kann es sich bei dieser Klara nur um Beile Brand, die Mutter von Fides handeln. Ihr weiteres Schicksal ist nicht geklärt.
In Rep. 18 des Stadtarchivs Stralsund findet sich ein Brief vom 12. Juli 1939, in dem der Polizei-Haupt-wachtmeister mitteilt, dass “Buchsbaum …bis zum heutigen Tage hier nicht eingetroffen” ist. Leib Buchs-baum hatte nach der gewaltsamen Ausweisung seiner Familie aus Deutschland 1938 im November des gleichen Jahres einen Antrag auf befristete Aufenthaltsgenehmigung in Stralsund zwecks Auflösung des noch vorhandenen Eigentums und Geschäftes gestellt. Seine damalige Anschrift lautete: Bydgoszcz, Zydowska Gmina. Dies ist die letzte bekannte Adresse der Familie. In dem gleichen Brief wird gesagt, dass
Leo seine noch in Stralsund lebende Schwester, Beile Liwschütz, davon informierte, dass er in Drohobycz eine Stellung als Tischler angenommen hätte und deshalb nicht kommen würde.
In den Dokumenten von Yad Vashem findet sich ein Hinweis auf einen Leo Buchsbaum(Buxbaum), der am 12. Februar 1940 im Arbeitslager Vyhne5, früheres Eisenbad in der Slowakei, interniert und zwei Monate später – am 08. April 1940 “von der Arbeit abgemeldet”6 wurde. Ein weiterer Hinweis7 verortet ihn bis zum 1. Juli 1944 als Zwangsarbeiter in Drohobycz.
In der polnischen Stadt Drohobycz gab es zwischen Oktober 1942 und Juni 1943 ein Ghetto für die jüdi-schen Einwohner dieser Stadt. Das Ghetto wurde im Juni 1943 von der Sicherheitspolizei und der SS aufgelöst. Die verbleibenden Zwangsarbeiterlager waren die Keramische Werkstätte und die Karpaten-Erdöl-AG. Innerhalb des Zwangsarbeiterlagers der Karpaten-Erdöl-AG existierte ein besonderes Arbeitskommando „Städtische Werkstätten“; hier arbeiteten jüdische Handwerker (Schuster, Tischler). Es ist sehr wahrscheinlich, dass Leib diesem besonderen Kommando zugeordnet worden war. Da die Rote Armee weiter heranrückte, wurden am 13. April 1944 die verbleibenden Zwangsarbeiter in das KZ Plaszow8 evakuiert. Ob Leib darunter war, konnte leider nicht ermittelt werden. Leibs Spuren verlieren sich 1944. Auch von seiner Ehefrau und seinem Sohn ist nichts weiter bekannt.
Quellen:
1. Stadtarchiv Güstrow, Melderegister 1911, Eheregister 1929
2. Stadtarchiv Stralsund, Rep. 18, Nr. 0441, Auflösung Jüdischer Geschäfte, 1938-1942, Nr. 443
3. Stadtarchiv Stralsund, Rep. 18, Nr. 434, Ausweisung jüdischer Bürger polnischer Staatsangehörigkeit
4. Stadtarchiv Stralsund, Rep. 29, Nr. 137, Liste jüdischer Geschäfte
5. Dokumentenarchiv Yad Vashem, ID: 3790804, abgerufen am 04. Dezember 2023
6. Internetrecherche, www.jewishgen.org, Forced Laborers in Brohyslaw and Drohobycz, abgerufen am 28. Januar 2026
7. Jüdisches Adressbuch für den Großraum Berlin 1931/32, Digitale Landesbibliothek Berlin, abgerufen am 28. Januar 2026
8. Justiz und NS-Verbrechen Bd.X, Verfahren Nr.323 – 359 (1952 – 1953), Prof. Dr. C.F. Rüter, Dr. D.W. de Mildt, © Stichting voor wetenschappelijk onderzoek van nationaal-socialistische misdrijven, Amsterdam, Lfd.Nr.355 LG Bremen 06.05.1953 JuNSV, Bd.X S.662 ff.
1 Einträge zum Ehemann Menachem Lustig gibt es im Güstrower Zuzugsregister von 1911 nicht.
2 Samuel Buchsbaum (1898-1952), Anna Buchsbaum, geb. Findling (1902-1972), zwei Kinder
3 Ihr weiterer Vorname war Yehudith.
4 Siehe dazu den Artikel “ Die Abschiebung der polnischen jüdischen Staatsangehörigen 1938″
5 Im slowakischen Eisenbad existierte seit Ende September 1939 ein Polizeihaftlager für Juden,
welches ab 1941 in ein Arbeitslager umgewandelt wurde.
6 Im Original “odhlaseny z labora” (slowakisch)
7 Er wird in www.jewishgen.org in einer Liste von Zwangsarbeitern der Arbeitslager Boryslaw und
Drohobycz genannt.
8 Zur Geschichte des ZAL Plaszow siehe https://plaszow.org/de/die-gefangenen.


